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Blinki-World

07.09.2016

Mit neuartigen Programmen und Tools können sehr bequem professionelle Webseiten gestaltet werden.
Nun gib es eine Anzahl Firmen und Unternehmen, die setzen für den Kopfbereich ihrer Website auf Slider. Das sind breitefüllende Anzeigen oder Fenster, die nach einer voreingestellten Zeit seitlich wegrutschen und durch das nächste Bild ersetzt werden - oder so ähnlich. Solche Slider können mit beliebigen Inhalten gefüllt werden: Bilder, Grafiken, Text, Film. Früher musste man als Webmaster für so einen Effekt animierte Gif's basteln oder zu technisch noch grässlicheren Mitteln greifen.

Soweit die positiven Aspekte. Nun gibt es etliche Webmaster, die ihre eigenen Seiten nie austesten, bevor sie scharf geschaltet werden. Das führt dann dazu, dass der in den Slidern enthaltene Text nicht zu Ende gelesen werden kann, weil die voreingestellte Zeit viel zu kurz ist. Sogar die Seite admin.ch leidet vollkrass an diesem Umstand.

Dann wieder gibt es Mitbewerber aus der grafischen Branche, welche ihre Aktionsangebote tabellarisch in so einen Slider packen. Auch bei diesem Slider ist die Zeit so kurz eingestellt, dass selbst Schnellstleser unmöglich jede Zeile oder Zelle erfassen können. Dass damit die Zeit zu Preisvergleichen fehlt, oder dass nicht mal die angebotenen Druckformate miteinander verglichen oder herausgesucht werden können, ist ein absolutes Unding. Noch schlimmer kommt's, wenn man feststellt, dass diese Preistabelle nirgends auf der Website statisch abgelegt ist - man ist also gezwungen, sich von der Preistabelle einen Screenshot zu machen und ihn abzuspeichern; erst dann kann man ihn nutzbringend lesen. Natürlich - man kann auch so einen Unsinn noch toppen: Macht man als gutgesinnter User oder Branchenkollege den Betreiber der Website darauf aufmerksam, ist es ihm völlig egal, oder er begreift nicht den Sinn der von ihm selbst eingesetzten Technik. Nun - es herrscht soweit freie Marktwirtschaft, speziell im Drucksachenbereich. Derjenige Anbieter, der es schafft, eine brauchbare Website zu veröffentlichen, verkauft seine Drucksachen. Vielleicht sind das dann eben keine schweizerischen Druckereien. Dann kann man als stocksteifer, festgefahrener Edelweiss-Eidgenosse wieder über Einkaufstourismus und mangelnden Protektionismus jammern.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, und manche lernen 's nie.

Slider sind dafür da, Bilder zu präsentieren, vielleicht noch zusammen mit einem oder zwei einfachen Wörtern. Viele Webmaster mit geprüftem Berufsabschluss ignorieren allerdings alles, was sie gelernt haben, tun Grafik und Design Gewalt an, vergrätzen die Websitenbesucher nachhaltig und verlieren jeden Tag Kunden. Aber egal: Hauptsache, man kann sich psychedelisch voll austoben - brutaler als jemals in Powerpoint - und alle Inhalte einer Website inkl. Preislisten in so einen Slider hineinwürgen. Besonders findige Zappelphilippe (auch von weltweit renommierten Konzernen) packen in den Slider vollwertige Reklamefilme, welche dann die CPU des Computers mit 97% auslasten. Irgendwie scheint es hipp zu sein, dem Kunden keine statischen Informationen anzubieten, sondern ihn mit informationsfreien Lasermovies zu belasten, für die er auch ein Openair besuchen könnte. Bandbreiten und Grafikkarten von normalen Computern schaffen das nicht - und der Websitebesucher wartet endlos darauf, endlich zur gewünschten Information zu gelangen.

Ausserdem sehen mittlerweile fast alle Websites gleich aus, da alle mit den gleichen Tools arbeiten. Dank diesen neuen Webtools machen zudem die Kopfteile einer Website mehr als die Hälfte des Bildschirmes aus. Kopfteile, die mit irgendeinem riesengrossen Bildchen oder einem nutzlosen Slider gefüllt sind. Das führt dann dazu, dass auf absolut jeder Seite und Folgeseite nicht etwa wichtige Informationen oben stehen, sondern ein nutzloses, aber funnyges Bildchen, das man erstmal runterscrollen muss, um überhaupt an die Navigation oder Inhalte zu gelangen.

Aber jede Generation hat aufs Neue wieder das Recht, vorhandenes Wissen abzulehnen, Professoren als Grufties anzusehen und das Rad neu zu erfinden.

Hoffentlich kommen die Bundesbahnen nie auf die Idee, den gesamten Fahrplan in so einen Slider zu packen.


 
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