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Feuer im Dach

16.01.2026

… oder: Crans-Montana ist immer und überall

Die Flammen schlugen aus dem Dach einer Druckerei in der Nachbarschaft im Industrieviertel der Gemeinde ___/ZH. Das kann so richtig schnell gehen. Weniger schnell ging dann das Löschen, obwohl die Feuerwehr an derselben Strasse, gerade gegenüber, ihr Lokal hatte.

Solche Ereignisse führen bei manchen – aber nicht allen – Menschen dazu, über die Sicherheit in ihrer mittelbaren und unmittelbaren Umgebung nachzudenken.

In unserer Firma – von der ich auch heute noch eigentlich recht viel halte - gab es einen fensterlosen Raum, welcher lediglich über den Lift erreichbar war. In dem Raum hielten sich sporadisch, aber doch regelmässig Leute auf, auch von externen Partnerfirmen. Diese Leute hatten mitunter nicht mal einen passenden Schlüssel dabei.

Der Raum lag inmitten einer Etage, welche ansonsten gänzlich von einer anderen Firma belegt war. Aus dem Raum führten nebst dem Lift zwei Türen, die aber stets verschlossen und von innen ohnehin von einem Schreibtisch sowie einem Regal verstellt waren.

Sollte es eine Rauch- oder Feuerentwicklung geben, hätten die Personen den Raum nicht verlassen können.

Ich als Angestellter zweitunterster Charge schlug vor, an wenigstens einer der Türen einen Drehknopf anzubringen. So wäre kein Schlüssel notwendig gewesen im Fall der Fälle.

Das Interesse der Vorgesetzten war nicht vorhanden, und mein Vorschlag wurde von Beginn weg als Störung der Totenruhe, ja als Grabraub aufgenommen. Der Gang durch die Hierarchie-Instanzen war hoffnungslos und dauerte etliche Wochen, bis mir von ganz oben bedeutet wurde, ich sei paranoid, artfremd, ungeeignet – und im Übrigen denke man nicht einen einzigen Augenblick über gesicherte Fluchtwege nach. Das war eine dieser Firmen, die stets bemüht war zu sagen, der Mensch stehe im Mittelpunkt.

Ich verlangte nicht einen Mauerdurchbruch mit externer Feuertreppe – sondern bloss einen Drehknopf statt des Schlüssellochs. Gefühlte Kosten: CHF 500.-. Bei 2 Mio. Umsatz pro Kopf ein verschmerzbarer Betrag.

Schon immer ein Starrkopf, rief ich schliesslich die politische Gemeinde an und bat um Kontakt zum Büro der Feuerpolizei. Das ging dann recht einfach und schnell, und der Amtsinhaber erschien zum Ortstermin.

Schliesslich wurde dann doch so ein Drehknopf montiert und: unsere Firma ging nicht Konkurs. Es war aber ein Schlag gegen das egoistische und kompetenzverweigernde Firmen-Establishment, welches wirtschaftlichen Erfolg verwechselte mit persönlicher Grösse. Es war – jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft (hätte ich wissen können) – auch ein Stein im Bossing-Mosaik, welches mir letztlich zum Verlust meines Arbeitsplatzes verhalf.

Dieselbe Fima schaffte es auch, dass das Tor zum Lager nicht gesichert war: Jeder mit etwas krimitivem Grips wäre nur mit Hilfe eines Besenstiels in weniger als 30 Sekunden ins Lager gekommen, in welchem für dutzende von Millionen Medikamente lagerten. Ein Fahrer eines Transportunternehmens fragte mich mal zwischen Tür und Angel, ob ich abends nicht ein oder zwei Paletten des Medikaments xy auf die Rampe stellen könne… Verkaufspreis pro Palette CHF 924‘000.-.

Es gab also durchaus ein Bedürfnis auf dem „Markt“. Die Vorgesetzten schenkten meinem Anliegen kein Gehör. Also bat ich die Fachtechnische Leitung zu einem Ortstermin auf. Mit Erfolg: Es wurde wie von mir vorgeschlagen ein schützendes Metallprofil an richtiger Stelle montiert, damit man von ausserhalb nicht den Knopf für die elektrische Toröffnung betätigen konnte. Kostenpunkt: Geschätzte CHF 30.-. Und natürlich einen weiteren Mosaikstein…

Infolge Expansion wurde das Lager in eine andere Ortschaft gezügelt (die damit verbundene heftige Mosaikstein-Runde lass ich hier mal weg). Auch dort gab es ein Industrietor, sogar in Lastwagengrösse. Eines Abends bemerkte ich, dass das Tor zwar über Nacht jedesmal ordentlich zugezogen wurde, aber es fehlte grundsätzlich jegliche Sicherung. Das heisst, es gab nicht mal eine Falle bzw einen Riegel, die eingeschnappt wären (wie wäre wohl ein Ereignisfall von der Versicherung beurteilt worden?). Man hätte das Tor von aussen mit etwas Kraft einfach aufziehen können. Easy. Also parkte ich abends als Letzter einen schweren Gabelstapler so an das Profil der Tür, dass sie eben nicht mehr von aussen geöffnet hätte werden können. Ein weiterer grosser Mosaikstein in meiner Karriere.

Das spielte sich Ende der 1990er Jahren ab. Und es wird – inklusive der Brandkatastrophe in der Neujahrsnacht 2026 in Crans-Montana - immer und ewig so weiter gehen, denn viele Posten werden durch Leute besetzt, die das Lied des ebenso inkompetenten Chefs singen; die von Dritten abhängig oder angewiesen sind; welche längst resigniert haben; die sich hochgeschlafen haben; welchen ein Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Arbeitgeber oder der Gemeinschaft fehlt; die einfach nur einen schlechten Job machen wollen; die macht- und/oder geldgierig sind.

 

 
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