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Schweizer Berggeister

19.12.2018

Was haben Schweizer Berggeister mit der Sihlhochstrasse zu tun?

Auf der Sihlhochstrasse hat’s wieder mal geknallt: Wieder mal Tote und Schwerverletzte. Unfallfahrzeug: Ein Reisecar.

Eines ist dabei mehr als auffällig: In den elektronischen Zeitungen wird die Berichterstattung redigiert, gefiltert, zurechtgebogen und überarbeitet wie selten. Auch sind bei Artikeln auf einmal sämtliche Leserkommentare verschwunden. Wer hat von wo aus den Filter- bzw. den Zensurknopf gedrückt?

Die Schweiz hat nebst der Armbrust jetzt wohl ein weiteres Güte-Label:

 Mauer quer auf Autobahn

„Mauer quer auf Autobahn“ - neues Schweizer Kompetenzsymbol

Argumente wie ‚man müsse sich halt angurten‘, ‚man dürfe halt nicht zu schnell in eine Kurve fahren‘, ‚man müsse auf Sichtweite anhalten können‘ waren fast grad so schnell zur Stelle wie die Unfallmeldung als solche. Die Behörden haben versucht, sich rauszuschnorren mit Begriffen wie ‚normgerecht‘, ‚kein Handlungsbedarf, weil nicht überdurchschnittlich viele Tote entstehen‘, und anderes.

Wer auf Sichtweite anhalten können will, für den bedeutet das korrekt ausgedeutscht: Auf Autobahnen bei Nacht und Nebel stets Schrittempo fahren, denn die Strasse könnte abrupt aufhören und man könnte 15 m in die Tiefe stürzen. Oder ein Dödel baut quer auf der Fahrbahn eine Mauer. Schrittempo ist auch wichtig, damit man vor dem Auto mit dem Besen den Schnee kehren und schauen kann, ob eine Leitlinie eingezeichnet ist.

Das erinnert an die fehlenden Randleitlinien auf sehr vielen Kantonsstrassen. Innerorts werden vorhandene Mittelleitlinien rausgefräst, selbst in unbeleuchteten Bereichen. Selber schuld, wer mit den sadistisch hohen und mordlustigen Ansprüchen der Schweizer Behörden nicht klar kommt und scheitert. Vor 30 Jahren waren die Dänen mit Signalisation und Markierung schon weiter, als wir es jemals sein wollen.

Da fällt einem auch der übrige, jahrzehnte- und jahrhundertealte Behördenalltag der Schweiz ein: Gäbe es auch noch so viel Verbesserungspotential, welches auch mit allergeringstem Aufwand umgesetzt werden könnte – es wird nichts getan, weil man abhängig von Normen sei. Diejenigen, die die Normen entwerfen, sind abhängig von ihrer eigenen guten oder schlechten Laune: Und wer in den Behörden wirklich was verändern will, der wird bestenfalls nur amtlich zurückgebunden: Bloss nichts verändern, bloss nichts verbessern oder optimieren, bloss über nichts nachdenken, bloss sich nicht aus dem Fenster lehnen, bloss keinen Lerneffekt zulassen.

Eher geht man regelmässig über Leichen; eher gibt man ein paar tausend Franken nicht aus um kurz darauf einen Schaden zu bekommen, der mehr als das Hundert- oder tausendfache der vermeintlich gesparten Summe beträgt.

Fast könnte man meinen, die Schweiz sei zu dem geworden was sie ist, weil eine Mehrheit auf irgendwelche dunklen, starren Felsen-Berggeister hört. Diese Berggeister rufen unaufhörlich:

  • „Wer was verändert, wird vom staatlichen Tropf abgehängt‘;
  • „wer optimiert, wird verhext“;
  • „wer nicht mit dem Filz zusammenarbeitet, verliert alles“;
  • "nicht bewegen, nicht denken, nichts sagen, wegschauen";
  • „wem es nicht passt, kann ja auswandern / gehen“.

Die helvetischen Berggeister sind offenbar hinterlistig, bösartig, empathiefrei, repressiv. Diese gewollte Rückständigkeit, Unterdrückung, Ignoranz und Brutalität sind imagebildend.

Deswegen sandte ich am 17. Dezember eine E-Mail ans ASTRA und ans UVEK:

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren

Reisecar-Unfall auf der Zürcher Sihlhochstrasse (2018-12-16):

Offenbar ist dieser Stummel immer noch befahrbar und vor dem Ende # NICHT # mit einem Anpralldämpfer versehen.

40 Jahre - und man lässt die Leute buchstäblich immer noch unbekümmert an die Wand fahren. Ist dieser Vorfall ein typisches CH-Symbolbild?

Gibt es dafür Verantwortliche, oder existiert auch hier nur noch die Lohnbezugskompetenz?

Ein paar (vorsätzlich) geopferte Menschenleben sind für manche Zeitgenossen noch kein Grund, ein paar Franken auszugeben. Die Ausgaben wären nicht mal zusätzlich, sondern statt den Renovationsarbeiten an dem wiederholt beschädigten Strassenteil; statt der Unfall- und Bergungskosten. Eine geeignete Signalisation – aus purem Gold gefertigt – wäre allemal noch preiswerter als der volkswirtschaftliche Schaden an der chronischen Unfallstelle.

Wer auf Autobahnen Quermauern baut ohne ein ‚Dead end‘ zu signalisieren; wer Brückenfahrbahnen im Nichts enden lässt, handelt im Volksmund ‚kriminell‘. In anderen Ländern werden fest aufgebaute Warnanlagen eingesetzt, die auch im dicksten Nebel frühzeitig zu sehen sind. „Ende der Ausbaustrecke“ heisst es dort beispielsweise.

Die überhebliche Mentalität „Das kann bei UNS nicht passieren“ ist eines der Grundübel in diesem Land.

Ausgerechnet aus Genua kommt dieser Bus. Er verbindet zwei Städte mit Brückenkatastrophen.

Blumen und salbungsvolle Worte reichen nicht mehr.

Mit nachdenklichen Grüssen

Leonhard Fritze

 

 
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