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Ausland

Israel - der Punchingball

15.09.2016

Viele Menschen möchten etwas tun gegen die Ungerechtigkeit auf dieser Welt.

Gegen die Ungerechtigkeit der anderen, nicht gegen die eigene. Bloss - wo soll man anfangen? Zudem ist es oft sehr schwer, sich ein Bild von den verschiedenen Situationen und Brennpunkten zu machen. Beispielsweise gibt es auch in der Schweiz Menschenrechtsverletzungen durch den Staat. Aber wie soll man sich in die Thematik einlesen und dann Stellung beziehen? Wie soll man eine Demo veranstalten, wenn Menschenrechtsverletzungen im eigenen Dorf und Kanton stattfinden und man sich vor weiteren Sanktionen zu fürchten hat? Und was ist, wenn man selber nicht so redegewandt ist und befürchten muss, in Grund und Boden geschnorrt zu werden? Oder drehen wir den Globus ein wenig: Wieso soll man eine Demo oder Freedomflottilla machen gegen die Türkei, wo man doch nie weiss, ob man dann nicht von einem türkischen Agenten verfolgt wird?

Derart gefrustet und auf sein blankes Selbst reduziert muss man folglich ein mehrheitsfähiges Thema wählen: Man muss sich über eine Situation aufregen, die sowieso schon seit Jahrhunderten breitgetreten worden und etabliert ist, die man niemandem zu erklären braucht und von der man annehmen kann, dass man reflexartig eine sehr breite Unterstützung geniesst. Der Boden muss also vorbereitet sein. Die schnelle (ndt: 'zeitnahe') Befriedigung des sporadisch auftretenden 'Wir tun was gegen die Ungerechtigkeit'-Triebes scheint also nur dann gewährleistet, wenn man vorgefertigte Klischees aus der Schublade nehmen und augenblicklich darauf rumdreschen kann, ohne sich erst einlesen oder differenziert damit auseinandersetzen zu müssen. Es gibt ja auch diese Wutzettel und Punchingbälle, an denen man seine Impulse und Aggressionen sportlich abreagieren kann. Für Menschen mit einem übertriebenen Geltungsbedürfnis, oder für Menschen, die durch erlebte Gewalt selber traumatisiert sind, reicht aber das stille Abreagieren oftmals nicht. Man fühlt sich - aus verschiedenen Gründen - erst im Pulk wohl. Also muss der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden: Dafür eignen sich ausschliesslich Instinkte: sie sind die simpelste Form von Empfinden und Kommunikation.

Welche möglichst flache (oder seichte) Projektionsebene für den persönlichen Wutstau eignet sich dafür besser als 'die Juden'. Obwohl dieselben Wut-Personen den Israelis nachsagen, sie würden über so und so viele böse wollende Geheimdienste verfügen, ängstigt man sich vor denen offenbar nicht im Geringsten, während man - um beim eingangs erwähnten Beispiel zu bleiben - vor türkischen Agenten ernsthaft und berechtigt Angst hat.

Jüngeren Jahrgängen mag man ein gewisses Nachsehen entgegenbringen, da sie um die Mechanismen von Reflexen und Projektionen erst wenig wissen. Bleibt mit zunehmendem Alter der Wut-Personen eine diesbezügliche Erkenntnis aus, muss man den Betreffenden allerdings attestieren, dass sie sich sehr anstrengen, Bildung oder Wissen selektiv zu verweigern. Bildungsverweigerung führt aber nicht zwingend zu alarmgebendem Unwohlsein, wenn man sich nur in ein gleichgeschaltetes, kollektives Netzwerk gebettet weiss, dessen gemeinsamer Horizont knapp der Tellerrand ist.

Israel ist für viele der Punchingball. Oder älter übersetzt: Der Laststein.

Diese Satire ist gewidmet dem Beitrag der Basler Zeitung:

http://bazonline.ch/basel/stadt/befuerworterin-eines-totalen-boykotts/story/13724344

 
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